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Küche Neuseelands

Die ursprüngliche neuseeländische Küche im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Was man heute mit „Neuseeländischer Küche“ bezeichnen würde, ist eine Küchenkultur, die noch im Entstehen ist und immer noch stark von neuen Einflüssen profitiert. Die relativ kurze Besiedlungsgeschichte, das beschränkte Nahrungsangebot der Pionierzeit, die beschränkte Küchenkultur der überwiegend bettelarmen europäischen Einwanderer vermengte sich nur wenig mit den eindeutig polynesischen kulinarischen Traditionen der Maori-Ureinwohner.

Ihre anfangs ärmlichen Speisepläne bereicherten sie sich mit der Zeit gegenseitig: Schwein und Lamm fanden sich bald in den Erdöfen der Maoris, die Kumara, die polynesische Süßkartoffel, schließlich auch in den Siedler-Aufläufen. Trotzdem gibt es eben nur eine gewisse Zahl an Gerichten, die sich mit Lamm, (Wild-)Schwein, Rind, Muscheln und Fisch, Süßkartoffeln und echten Kartoffeln sowie Wurzelgemüsen herstellen ließ. Entsprechend sahen bis vor wenigen Jahren die Mahlzeiten der Siedlernachfahren auch nicht besonders einfallsreich aus: Lamm als Irish Stew oder Shepherd’s Pie, im Backofen gegart, (Wild-)Schwein und Rind gegrillt, dazu die frei sammelbaren Muscheln in den Küstengebieten und Forellen aus den zahlreichen Flüssen und Bächen frisch vom Holzkohle- oder Steingrill.

Kumara

Kumara ©iStockphoto/PeterJSeager

Trotzdem muss man als Reisender keine Angst haben, die gesamte Reisezeit nur mit den berüchtigten englischen Meat Pies, Sandwiches, Fish & Chips, Stampfkartoffeln und dicker brauner Soße auskommen zu müssen. Und zum familiären Mittwinter-Fest wird heutzutage statt der „colonial goose“, einer „Weihnachtsgans“ aus einer entbeinten und gefüllten Lammkeule, eine echte Gans serviert.

Mit der zunehmenden Kosmopolisierung Neuseelands ab den 80ern durch asiatische und mediterrane Einwanderer, Abschaffung vieler Importzölle für Lebensmittel sowie die komplette Aufhebung der Teil-Prohibition (Alkohol nur bis 18 Uhr, danach nur noch zusammen mit Essen serviert) wurde die Speise- und Getränkekarte enorm bereichert, die Ausgehviertel verdienten endlich ihren Namen. Auch die bodenständigsten Neuseeländer nahmen diese Trends schnell auf – heutzutage ist die Zahl der Espressomaschinen pro Kopf angeblich nirgends so hoch wie in Neuseeland und auch die Weinbars erreichen fast die Dichte gewisser Berliner Stadtviertel.