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Weine aus Neuseeland

Die südlichsten und östlichsten Weinbaugebiete der Welt liegen in Neuseeland und sind jedem Weinkenner ein Begriff, obwohl der Weinbau durch die rigide Prohibition bis zum Beginn der 1970er Jahre einschlief.

Erst seitdem wird wieder mit wissenschaftlichen Methoden nach passenden Anbaugebieten, Weinbaumethoden und den richtigen Rebsorten geforscht. Die seither erzielten Ergebnisse können sich insbesondere beim Sauvignon Blanc und Pinot Noir (Spätburgunder) qualitativ und quantitativ auf der Weltbühne sehen lassen. Die Wachstumsbedingungen sind durch das weitgehend maritime und windige Makroklima rund um den 40. Breitengrad nicht einfach, die hohe Sonneneinstrahlung, der mineralische Boden und natürlich eine gehörige Portion Pioniergeist machen das aber wieder wett. So wurden in der boomenden Weinbauregion „Central Otago“ auf der Südinsel, anerkennend als „Burgund auf der anderen Seite der Welt“ bezeichnet, wirklich Pflanzlöcher in den dunkelgrauen Schiefer der Kawarau-Schlucht gesprengt. „Mount Difficulty“, der Name eines der etablierten Weingüter, weist dezent auf die Methode hin. Die Menge an exportiertem Wein stieg innerhalb von wenigen Jahren um 500%. Angelehnt an den Otago-Goldrausch von 1861 spricht man sogar vom – nein, nicht Weinrausch – sondern vom neuseeländischen Weinboom.

Weinanbau in Neuseeland

Weinanbau in Neuseeland ©iStockphoto/DJerryCarpenter

Die dortigen Reben werden künstlich bewässert und müssen zwar um jedes bisschen Bodenkrume kämpfen, gleichzeitig wärmt aber der nackte Fels und erzeugt ein ideales Mikroklima. Dazu herrscht durch die wind- und regengeschützte Lage ein echtes kontinentales Klima, untypisch für Neuseeland, aber ähnlich wie im Burgund. Das und die Bodenmineralisierung lässt einen Wein entstehen, den Weinkritiker als das Neue-Welt-Äquivalent zum klassischen Pinot Noir aus dem Burgund sehen. Komplexe Aromen, fruchtige Noten, betonte Säure, die wiederum ganz typisch für die großen Tag/Nacht-Temperaturunterschiede in der Reifephase sind.

Daneben darf man den Sauvignon Blanc nicht aus den Augen verlieren. Er war es, der Neuseelands Weinkultur Mitte der 1990er Jahre wieder erweckte, nachdem lange Zeit nur mittelmäßige Müller-Thurgaus und Chardonnays erhältlich waren. Die an der Nordspitze der Südinsel angebauten Sauvignon Blancs der Marlborough-Region, des Awatere-Valleys und des Wairau-Valleys profitieren vom fruchtbaren Boden, den die Abflüsse aus den neuseeländischen Alpen hier angelagert haben. Die das Land in Ost-West-Richtung durchziehenden Winde trocknen die Feuchtigkeit der Nacht gut ab, sodass die Reben auch vor Mehltau gut geschützt sind und die intensive Sonne gut nutzen können. Auch hier kommt es durch die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht zu den für neuseeländischen Wein typischen fruchtigen, säuerlichen Aromen, die einen sonst eher belanglosen Sauvignon Blanc in die Oberklasse aufwerten.

Das dieser Boom natürlich nicht folgenlos bleibt, ist klar. Zum einen wurden die kleineren Pionier-Boutique-Weingüter von großen Firmen aufgekauft oder vertraglich zur Traubenlieferung verpflichtet, sodass drei große, finanzorientierte Weinproduzenten die Region dominieren. Sie sorgen zwar durch ausländische Experten für gleichbleibende Qualität und aggressives Übersee-Marketing, das besonders in den USA und in Großbritannien verfängt. Andererseits werden in den riesigen Monokulturen verstärkt Schädlingsbekämpfungsmittel, große Maschinen und gering bezahlte Arbeitskräfte eingesetzt. Die Hinwendung zur reinen Weinbauindustrie tat der Region nicht nur gut. Darum gibt es mittlerweile verstärkt Bemühungen um ökologisch produzierten, nachhaltigen und entsprechend beworbenen und ausgepreisten Wein.

Dass die Bemühungen um „grünen“ Wein von Erfolg gekrönt sind, beweisen die steigenden Verkaufszahlen und das bessere Image, das damit auch dem Weintourismus zugute kommt. Schließlich ist eine Führung durch die Kelterei einer „Weinfabrik“ auch eindrücklich, aber eben eher technisch-kalt. So richtig wohl fühlt man sich doch eher bei den kleinen, teils aus reinem Idealismus, Aussteiger- und Pioniergeist gegründeten Weingütern, den „boutique vineries“.